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Flug 0958

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Unser Flug Iberia IB 0958 am 28.11.2005 - Hurra, wir leben noch! 

Das ist ausgerechnet der Jahrhundertsturm "DELTA" über den Kanarischen Inseln, in den wir hineingeraten sind!

hier, Originalaufnahme 28.11.2005 um 17:28

ist noch alles in bester Ordnung

Es begann ganz normal. Abflug in Madrid 16:55 in Richtung Teneriffa Nord. Geplante Ankunftszeit 18:40.

  • Einige km vor Teneriffa begann der sehr unruhige Flug. Immer wieder schreien die Passagiere vor Angst auf, da das Flugzeug (747-400) durch den Sturm stark durchgeschüttelt wurde und oft durchsackte.
  • Ida benötigt 2 ½ der berüchtigten Säckchen und ist eher grün als nur blaß.
  • Der Landeanflug auf Teneriffa Nord wurde kurz vor dem Aufsetzen aufgrund der zu starken Böen abgebrochen.
  • Vom Kapitän wurde das neue Ziel Teneriffa Süd angepeilt.
  • Nach einer 3/4 Stunde weiten Schleife über dem Meer - Landung in Teneriffa Süd gegen 19:40. 2 Feuerwehrautos mit blauem Blinklicht fuhren während der Landung parallel neben uns auf der parallelen Piste her - ein eher unberuhigendes als beruhigendes Gefühl. 
  • Kurz nach dem Landen gegen 19:45 gehen im Flughafen die Außenlichter in verschiedenen Bereichen aus.
  • Die Feuerwehr ist ständig mit den rot blinkenden Lichtern unterwegs.
  • Nach ca. 15 Minuten Stillstand läßt der Kapitän alle wieder Platz nehmen und anschnallen, da die Vorschriften es verbieten, die Passagiere bei Windgeschwindigkeiten über 120 km/h aussteigen zu lassen.
  • Wir setzen uns also wieder hin und schnallen uns an.
  • Der Kapitän versucht, eine Ausnahmegenehmigung einzuholen um uns doch aussteigen zu lassen. Ca. 1 Stunde nach dem Landen hat er die Genehmigung erhalten, uns aussteigen zu lassen. Aber nicht gruppenweise, sondern einzeln Person für Person über die angestellte Treppe.
  • Da die Boeing 747-400 ein 2 stöckiger Jumbo Jet mit über 400 Sitzplätzen ist, war das Aussteigen eine Prozedur von über 40 Minuten!
  • Im Flugzeug waren 5 gehbehinderte Personen (inklusive Alfred), denen auf den Flughäfen Rollstühle mit Begleitung zustehen. Aber es gab keine Rollstühle mehr! Anscheinend sind alle Rollstühle schon für andere Fluggäste ausgegeben worden. Also mußten die Gehbehinderten doch laufen oder getragen werden.
  • Seit ca. 16 Uhr sind keine Gepäcke mehr ausgegeben worden, da die Rollbänder für die Gepäcke und die Anzeigen, auf welchen Bändern die Gepäcke ankommen komplett ausgefallen sind.
  • Das Chaos ist also perfekt. Die Sicherheitsbeamten und auch die Information hat keine Ahnung, wann die Bänder wieder funktionieren und auf welchen Bändern dann die Gepäckstücke eines bestimmten Fluges ankommen werden.
  • 22:00 - Die Information meint, es könnte eventuell das Band 5 sein, mit dem das Gepäck von Madrid IB 0958 kommen wird.
  • Einige Bänder laufen wieder an. Neue Koffer kommen aber nicht.
  • Die Gepäck- Bänder- Anzeigen funktionieren wieder.
  • Madrid 0958 ist nicht auf den Tafeln, da über 20 andere Flüge vorher bedient werden, da sie vorher gelandet sind und durch den Ausfall das Gepäck nicht ausgeben werden konnte. Das Flugzeug aus Gran Canaria mit Landung um 17:40 kommt um 22:03 als erstes dran.
  • 22:05 - Die Bänder stehen wieder alle.
  • Die Anzeigetafeln der Bänder fassen maximal 20 Flüge. Madrid 0958 ist noch nicht auf den Tafeln.
  • Die Iberia Information teilt Ida mit, daß die Autobahn komplett gesperrt ist, da ein schwerer Unfall die Straße unpassierbar macht.
  • Es können keine Informationen über Lautsprecher ausgegeben werden, da das System ausgefallen ist. Es kommt auch keiner von Iberia, um etwas mitzuteilen. Man muß schon selbst immer wieder zum stark überforderten aber freundlichen Informationsstand, um Infos zu bekommen.
  • 22:15 - Die Bänder stehen immer noch still.
  • Auf Band 1 wird das Gepäck des Fluges von London (18:53) erwartet.
  • Nach dem Londonflug ist Manchester, Santiago, Santiago … auf dem Plan.
  • 22:25 – Die Bänder laufen. Anzeige Madrid 958!!
  • Die Koffer sind aber von Santiago, nicht von Madrid!
  • Es kommen auch keine neuen Koffer.
  • 23:00 – Von Madrid ist immer noch nichts gekommen.
  • Die Madrid- Anzeige verschwindet wieder von der Anzeigetafel.
  • 23:15 – Keine Veränderung. Ida geht wieder zur Info, wo denn die Madrid-Koffer nun ankommen sollen.
  • Unter den 20 angegebenen Flügen ist Madrid immer noch nicht zu sehen.
  • Info: Ein Hochspannungsmast ist auf die Autobahn gefallen.
  • Um 23:45 ist die Autobahn immer noch gesperrt. Auch alle anderen Straßen in den Norden sind zu, da Bäume und Steine den Weg unpassierbar machen.
  • Wir erhalten einen 6 Eurogutschein pro Person für die Bar.
  • In den Restaurants ist kein Platz mehr.
  • Info: Alle Madridkoffer sind noch im Flugzeug, da durch den starken Wind kein Entladen möglich ist.
  • 22:50 - Im Nordflughafen soll ein Dach eingestützt sein und der gesamte Flugverkehr eingestellt worden sein.
  • 01:03 – Die Koffer von Madrid kommen, obwohl das Sternchen in der Anzeige bei Madrid nicht blinkt!
  • 01:10 – Unsere Koffer sind da!
  • Zum Ausgang, Suche nach dem versprochenen Bus nach Los Rodeos.
  • Kein Bus und kein Taxi zu sehen. Würde so und so nichts nützen, da die Autobahn immer noch gesperrt ist.
  • 01:45 – In die VIP Lounge geschickt, um ausruhen zu können, da alle Straßen in den Norden gesperrt sind.
  • Alfred kann mit dem Rollstuhl nicht in den Fahrstuhl, da die Breitenbeschränkungspfosten dies verhindern.
  • Nach Sprechen mit den (freundlichen) Sicherheitsbeamten schließen sie den Pfosten auf, damit der Rollstuhl durchgeht.
  • Oben angekommen, VIP Lounge nicht benutzbar, zu heiß, da die Klimaanlage ausgefallen ist.
  • Also legen wir uns auf den Hauptdurchgangsflur zur Vip Lounge auf den Holzboden, um etwas zu schlafen. Als Unterlage Idas Pelzjacke und mein Mantel.
  • Alfred hat von einer vorbeilaufenden Passagierin ein kleines Kopfkissen bekommen, damit er nicht so hart liegen muß. Es ist 01:55
  •  02:00 – Ida versucht sich zu erkundigen, wann der Bus nach Los Rodeos abfährt. (– vergebens, wie sich dann herausstellt)
  • 02:30 – Ida steht immer noch in der Warteschlange, um die Info zu bekommen.
  • 02:40 – vor 06:00 oder vielleicht 08:00 keine Chance. Alles noch gesperrt.
  • Wir haben versucht, auf dem harten Holzboden etwas zu schlafen.
  • 04:20 – Alles scheucht auf, der Bus ist angeblich da.
  • 04:30 – Ida geht zum Iberia Schalter, es gibt kein Bus, eventuell in einer halben Stunde.
  • Eine Spur auf der Autobahn soll angeblich frei sein.
  • Der Nordflughafen ist immer noch gesperrt.
  • Wir haben gehört, daß wenige Taxis vor der Halle sind.
  • Ida spricht mit dem Mann der Iberia Information, ob es möglich wäre, uns mit einem Taxi zum Nordflughafen bringen zu lassen, das sie Kreislaufprobleme bei Alfred befürchtet (er ist immerhin seit gestern um 9 Uhr früh auf den verschiedenen Flughäfen). Der Chef der Iberia- Information winkt ab, aber nach einem Zweiergespräch zwischen diesen 2 Personen veranlaßt die Iberia doch, daß wir mit dem Taxi auf ihre Kosten zum Nordflughafen gebracht werden – Abfahrt ca. 05:50
  • Ankunft in Los Rodeos ca. 06:40. Da die Autobahn durch die ausgefallene Straßenbeleuchtung sehr dunkel war, war das Fahren etwas mühsamer.
  • In Santa Cruz sind immer noch alle Straßenbeleuchtungen ausgefallen.
  • Mit dem eigenen Auto vom Parkplatz Los Rodeos nach La Matanza gefahren, starker Regen und viel Nebel!
  • Ankunft zu Hause ca. 07:20!
  • In La Matanza ist der Strom ausgefallen!!
  • Ferngesteuertes Garagentor geht natürlich nicht auf.
  • Kurzer manueller Versuch der Öffnung fehlgeschlagen, also Koffer durch den normalen Eingang bei strömendem Regen reingetragen.
  • Das Telefon geht natürlich ohne Strom nicht, da es über das Internet-Modem läuft. Deshalb konnten wir vorerst unsere Ankunft den Interessierten nicht mitteilen. Strom kam aber nach ca. 20 Minuten wieder.
  • Pergola total zusammengebrochen
  • Gasflaschentüre liegt ein paar Meter weiter auf dem Boden
  • Ein Sonnensegel zerfetzt
  • Der große aufziehbare Sonnenstor mit allen Aluminiumstangen war nicht mehr da. Der Wind hat alles zerrissen, zerbogen und auf den 8 m tiefer unten liegenden Spielplatz gefegt.
  • Einige Ziegelstücke liegen im Patio
  • Verschiedene Abdeckungen der Gartenlampen sind im Garten verstreut.

Etwas muß ich aber dem Iberia Kapitän zugutehalten. Er hat trotz stark böigem  Wind die 747 sehr gut und weich gelandet. Der Kapitän der Monarch-Flotte, mit dem wir zu Beginn der Reise nach London geflogen sind, ist dagegen unprofessionell und sehr hart gelandet, obwohl es nicht windig war.

Alle Iberia Mitarbeiter auf dem Südflughafen waren freundlich, aber oft mit dem Ganzen überfordert. Sie haben  meines Erachtens zu wenig Kompetenz, um bestimmte Dinge selber entscheiden zu können.

Aber …. Wir sind heil davongekommen, wir leben noch!

La Matanza, 29.11.2005

 

 

Allgemeines zum DELTA Sturm am 28.11.2005:

Das Wochenblatt (Inselzeitung der kanarischen Zeitung) schrieb:

| Delta hinterläßt eine Spur der Verwüstung | Erste Hochrechnungen beziffern Schäden auf 300 Millionen Euro | Auf Teneriffa waren über 200.000 Menschen tagelang ohne Strom, Wasser und Telefon |

Die Ausläufer des tropischen Wirbelsturmes Delta, der am 28. November mit heftigen Böen über die Kanarischen Inseln hinwegfegte, hat 19 Menschen das Leben gekostet und schwere Schäden verursacht. Mit Windgeschwindigkeiten bis zu 200 km/h peitschte der Sturm den Archipel und hinterließ vielerorts eine Spur der Verwüstung.

Während die Zentralregierung in Madrid ein umfangreiches Hilfsprogramm zusammenstellen will, Unelco weiter an der Reparatur der Stromnetze arbeitet und Regionalregierung und Gemeinden sich um die Schuldzuweisung streiten, ist die Bevölkerung wieder zur Routine Übergegangen. Jeder ist damit beschäftigt, etwas zu reparieren oder der Versicherung einen Schaden zu melden. Besonders unbarmherzig war Delta mit den Landwirten, die zum Teil ihre komplette Ernte verloren.

Auf Gran Canaria beweinen die Menschen ihr Wahrzeichen, den "Finger Gottes" in Agaete, und auf Teneriffa wurde beschlossen, ein Untersuchungsverfahren gegen den Stromversorger und Monopolisten Unelco-Endesa einzuleiten. Es soll geklärt werden, ob die Mast-Zusammenbrüche, die zu einem fast inselweiten Stromausfall führten, auf versäumte Instandhaltungsarbeiten zurückgeführt werden können.

Nicht ohne Vorwarnung trafen die Ausläufer des Tropensturms Delta auf die sonst vor Hurricans scheinbar sicheren Kanarischen Inseln. Die Schulen und Universitäten waren am 28. November aus Sicherheitsgründen schon mittags auf dem ganzen Archipel geschlossen worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte Delta bereits La Palma erreicht. Später am Nachmittag kam der verheerende Sturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h nach Teneriffa, wo die größten Schäden entstanden.

Besonders schlimm erwischte es den Süden der Insel und die Städte Santa Cruz und La Laguna. Auf den berühmten Ramblas aber auch entlang der Avenida Anaga in Santa Cruz wurden uralte Bäume entwurzelt. Im Hafen riß sich die Fähre JJ Sisters los und versenkte bei ihrem ziellosen Treiben im Hafenbecken einen Schlepper. In den kanarischen Häfen wurden zahlreiche Sportboote schwer beschädigt. Auf Teneriffas Nordflughafen wurden 145 Tonnen schwere Flugzeuge von den starken Windböen bewegt. Der Flugverkehr mußte zeitweise eingestellt werden. Mauern gaben nach, Reklameschilder stürzten herab, Dachziegel flogen durch die Gegend. Die Regierung forderte die Bevölkerung auf, nicht aus dem Haus zu gehen. Die Mitarbeiter der Kaufhäuser Corte Inglés, Carrefour und Decathlon konnten auch über Nacht nicht nach Hause, ebensowenig rund 400 Passagiere, die auf dem Nordflughafen Los Rodeos sitzen blieben. Die Schäden in der Landwirtschaft gehen in die Millionen. Gemüse und Obstplantagen wurden teils komplett zerstört.

Am Spektakulärsten war sicherlich das Umstürzen der riesigen Strommasten, die zu einem tagelangen Stromausfall in vielen Inselgemeinden führten. Die Einwohner von Santa Cruz und La Laguna sowie zahlreicher kleinerer Ortschaften waren fünf Tage ohne Strom. Die Wasserversorgung wurde vielerorts durch den Ausfall der elektrischen Pumpanlagen ebenfalls unterbrochen. Auch Telefonverbindung gab es keine mehr. Mobilfunk funktionierte nur noch zu 50%.......

.... und noch viele weitere Horror-Meldungen

 

bearbeitet: 28.11.10